Meine Geburt in Corona-Zeiten

Eine „eticur)-Mutter“ hatte letzte Woche in Berlin entbunden und mit uns über Ihrer Entbindung in Corona-Zeiten gesprochen. Ihre Eindrücke und Erfahrungen wollte Sie mit uns teilen und um anderen Schwangeren Mut zu machen: Alles wird gut!

Jeder war bemüht, mir ein gutes und sicheres Gefühl zu geben 

„Wie erwartet ging dann alles recht schnell. Auf dem Weg in die Klink kam eine leichte Panik auf, dass mein Mann nicht mit in den Kreißsaal darf. Das ist bei vielen Schwangeren wahrscheinlich gerade ein wichtiger Punkt der sie sehr beschäftigt. Die Geburt ist ein sehr emotionales Ereignis, dass man als Paar und als Familie erleben will – mit einer Vertrauens- und Bezugspersonen, wie man es sich über Monate hinweg ausgemalt hat. Im Krankenhaus angekommen begegnet man vielen Menschen ohne zu wissen, wer einem da entgegenkommt. Menschen vermummt mit Mundschutz, da dies in Zeiten von Corona jetzt verpflichtend ist auf den Stationen. Es fühlt sich im ersten Moment distanzierter an als man es gewohnt ist. Man sieht nur die Augen und bekommt wenig Mimik mit. Klar kann man über die Stimme etwas ableiten, aber das ist etwas völlig anderes. Aber jeder war bemüht, mir ein gutes und sicheres Gefühl zu geben. 

"Hallo, ich bin Lisa. Ich bin deine Hebamme.“ sprach mich eine Frau an. Ich hatte das Glück eine Beleghebamme zu haben, die ich vorher schon über Wochen kannte und dadurch ein Vertrauensverhältnis entstanden ist. Es war schön, eine vertraute Person um mich zu haben. Das Verhalten der Menschen um mich herum beruhigte mich und Corona war in diesem Moment komplett vergessen. Auch mein Mann durfte mit den entsprechenden Hygienemaßnahmen mit in den Kreißsaal. Ich war überaus glücklich, dass er mich begleiten durfte und auch, dass meine kleine Maus ruckzuck und ohne Probleme das Licht der Welt erblickte. Von der Entnahme des Nabelschnurbluts habe ich nichts gemerkt, es ging alles so schnell.

Ich muss sagen, dass ich auf der Station und im Kreißsaal auch nichts von dem Stress mitbekommen habe und auch nie das Gefühl hatte, dass alle wegen Corona in voller Panik sind. Das Krankenhauspersonal macht „business as usual“ – natürlich mit Mundschutz und mit den entsprechenden Hygieneregeln, aber sie vermitteln eine gewissen Ruhe und Routine. Auch später auf der Wochenbettstation waren die Schwestern für uns Mütter da und stellten die bestmögliche Versorgung sicher.

Die Hebamme meinte: „Das Schlimmste in der Situation ist, dass man die werdenden Mamas nicht mehr in den Arm nehmen darf – das gehört bei den Hebammen einfach dazu. Einfach eine Berührung zur Beruhigung an die Schwangere weitergeben, zu knuddeln und knuffen, aber das geht halt im Moment alles nicht." Aber ihre Anwesenheit half mir sehr. Auch die Anwesenheit und Nähe meines Mann und meines Kind haben mich den Rest vergessen lassen.

Nach der Geburt waren wir auf dem Zimmer relativ isoliert und durften uns nicht außerhalb von der Station aufhalten. Wir hatten zum Glück ein Familienzimmer. Ansonsten hätte mein Mann mich nur einmal am Tag für eine Stunde besuchen dürfen und ich hätte die ersten Nächte alleine verbringen müssen. Aber alles hat wunderbar geklappt und in meinem persönlichen Fall ist es echt sehr gut gelaufen. 

Es ist natürlich etwas anders, als man es sich vorgestellt hat und zum Teil auch etwas unheimlich, da durch die Verhüllung auch eine gewisse Distanz geschaffen wird, die man nicht gewohnt ist. Aber das komplette medizinische Personal gibt sich natürlich wahnsinnige viel Mühe, durch freundliche Worte und emphatisches Auftreten, diese Distanz zu überwinden. 

Ich habe höchsten Respekt vor dem Krankenhauspersonal und bedanke mich vielmals für eine so reibungslose Geburt unter diesen Umständen. Ich kann den anderen Schwangeren nur sagen: Alles wird gut.“