Stammzellen – der Ursprung unseres Lebens

 

Stammzellen sind im wahrsten Sinne des Wortes die ersten Bausteine unseres Lebens. Denn aus nur einer Stammzelle – der befruchteten Eizelle – entwickelt sich in neun Monaten ein neuer Mensch. 

Diese Stammzellen tragen wir ein leben lang in uns und sie enthalten alle wichtigen Informationen aus unserem Körper. Im Laufe unseres Lebens verändern sich unser Körper und somit auch unsere Stammzellen durch Entwicklung und äußere Einflüsse.

Die Funktion der ersten Stammzellen, der sogenannten embryonalen Stammzellen, ist noch nicht festgelegt. Sie besitzen die Fähigkeit, sich prinzipiell zu allen Zelltypen zu entwickeln. Später, nach der Geburt, verlieren die dann als adult bezeichneten Stammzellen diese Eigenschaften, sie haben nur noch eingeschränkte Möglichkeiten der Differenzierung. Unmittelbar nach Abnabelung gibt es allerdings die einmalige Möglichkeit, adulte Stammzellen mit den Qualitäten der embryonalen zu gewinnen und aufzubewahren.

  • Embryonale Stammzellen

    Das Wunder eines neuen Lebens beginnt mit der Zeugung. Schon wenige Tage danach hat sich aus der befruchteten Eizelle eine kleine Zellkugel entwickelt, die aus embryonalen Stammzellen besteht. Diese kleinen Alleskönner leisten in den kommenden neun Monaten Unglaubliches. Denn in ihnen steckt die Information für den Aufbau des gesamten menschlichen Organismus. Sie haben die besondere Fähigkeit, sich zu spezialisieren: aus den embryonalen Stammzellen können sich alle Gewebearten entwickeln. Durch Teilung entwickeln sich stetig neue Zellen mit ganz individuellen Eigenschaften: Blutzellen, Nervenzellen, Muskelzellen oder Knochenzellen. Und so entsteht nach und nach ein kleiner Mensch.

  • Adulte Stammzellen

    Auch nach der Geburt haben Stammzellen eine wichtige Rolle im Körper: im Knochenmark sorgen sie für die Herstellung von Blutzellen, in bestimmten Geweben für Reparatur oder Regeneration. Sie werden als adulte Stammzellen bezeichnet.
    Im Gegensatz zu den jungen, teilungsfreudigen und wandlungsfähigen embryonalen- und Nabelschnurblut-Stammzellen sind sie allerdings schon hoch spezialisiert und können nicht mehr alle Zelltypen eines Organismus bilden. Dadurch können einige Gewebearten nach der Geburt nicht mehr repariert werden, darunter beispielsweise Herz, Gehirn oder periphere Nerven, sie sind nach Beschädigung unwiderruflich verloren. Darüber hinaus sind adulte Stammzellen nur bedingt teilungsfähig. Zu guter Letzt sind sie Umwelt- und Alterungsprozessen unterworfen, die mit der Zeit ihre Funktion und Qualität beeinträchtigen.

  • Nabelschnurblut-Stammzellen

    Die Zellen aus dem Nabelschnurblut sind ganz besondere Stammzellen, denn bis zur Geburt ist die Nabelschnur ein Teil des kindlichen Blutkreislaufes. Nach der Geburt verbleibt noch eine kleine Menge des kindlichen Blutes in Nabelschnur und Plazenta. Deshalb gibt es unmittelbar nach Abnabelung die einmalige Gelegenheit, diese Zellen mit ihren wertvollen Eigenschaften für die Zukunft des Kindes zu sichern. Obwohl die Nabelschnurblut-Stammzellen als adult bezeichnet werden, besitzen sie die einzigartigen Fähigkeiten embryonaler Stammzellen: sie sind pluripotent (d.h. sie können sich in viele verschiedene Zelltypen differenzieren), sie sind frei von Alters- und Umwelteinflüssen und sie haben noch keine Schädigungen durch Krankheiten erlitten.


Wie Stammzellen helfen können

Stammzellen können grundsätzlich dazu benutzt werden, um den eigenen Körper zu behandeln (autolog) oder um im Rahmen einer Stammzellspende andere zu therapieren (allogen). Grundsätzlich ist es besser, wenn eigene Stammzellen eingesetzt werden können, sei es zur Rekonstitution des Knochenmarks nach Chemotherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung oder zum Einsatz im Bereich der Regenerativen Medizin, da es dann zu keinerlei Immunreaktionen kommt. Es gibt aber einige wenige Erkrankungen, von denen die eigenen Stammzellen mit betroffen sind (z.B. Leukämie) und für deren Behandlung man somit fremde Stammzellen benötigt, die aber möglichst gut passen sollten.

Sollte ein Mensch im Laufe seines Lebens ein Stammzellpräparat benötigen, gibt es unabhängig von der Indikation zwei herkömmliche Wege, um diese Zellen zu gewinnen: die Entnahme von Stammzellen aus dem Knochenmark oder aus dem peripheren Blut eines Spenders. Seit Ende der 90'er Jahre gibt es zusätzlich die Möglichkeit, Nabelschnurblutstammzellen aufzubewahren und diese als Ressource zu nutzen.

Nabelschnurblut-Stammzellen im Vorteil!

Vergleicht man die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut mit Stammzellen aus Knochenmark oder peripherem Blut, wird sehr schnell deutlich, dass die Nabelschnurblutstammzellen viele Vorteile haben: Die Entnahme von Nabelschnurblut-Stammzellen direkt nach der Geburt ist ohne Risiko, die aufwändige Vorbereitung des Spenders entfällt. Eine Knochenmarkspunktion findet dagegen in der Regel unter Vollnarkose statt und ist mit entsprechenden Risiken und Schmerzen verbunden, bei Gewinnung von Stammzellen aus dem peripheren Blut müssen diese vorher durch Gabe von Wachstumsfaktoren mobilisiert werden, was mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein kann. Sollte das Präparat benötigt werden, stehen die Zellen aus dem Nabelschnurblut unmittelbar und ohne Zeitverzug zur Verfügung, aus anderen Ressourcen müssen sie erst noch gewonnen, prozessiert, getestet und aufbereitet werden.

Die Nabelschnurblutstammzellen sind jung, teilungsfreudig, flexibel und ohne äußere Einflüsse (Umwelt, Alter), da sie bereits kurz nach der Geburt entnommen wurden. Darüber hinaus sind sie auch bei nicht-eigenem (allogenem) Einsatz als Transplantat besser verträglich, da sie eine erheblich geringere Immunogenität haben als die aus Blut oder Knochenmark extrahierten Stammzellen eines Erwachsenen.
 


Einsatzmöglichkeiten von Stammzellen

Was heute schon möglich ist

Stammzellen aus Nabelschnurblut können bereits für Therapien von mehr als 80 Krankheitsbildern genutzt werden. Lesen Sie, welche Vorteile für die Stammzellmedizin sprechen, welche Krankheitsbilder heute und in Zukunft damit behandelbar sind – und warum diese Lebensbausteine wahre Wunderwerke der Natur sind.

Mehr zu Einsatzmöglichkeiten

Erfolgreiche Anwendung bei Levin


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