Home // Stammzellen // Regenerative Medizin

Aus Stammzelltransplantation wird Regenerative Medizin

Pluripotente Stammzellen aus der Nabelschnur haben großes Potential 

Was in den 70-er Jahren mit den ersten autologen Stammzelltransplantation began, ist heute unter dem Namen Regenerative Medizin bekannt. Als relativ junge Teildisziplin der Biomedizin wird weltweit viel Potential in der weiteren Forschung und den daraus resultierenden Therapieformen gesehen. 

Der Begriff „Regenerative Medizin“ leitet sich aus dem lateinischen „regeneratio“ ab und bedeutet Neuentstehung. Das Ziel der Regenerativen Medizin ist demnach die Wiederherstellung und Reparatur von kranken oder zerstörten Zellen, Gewebe, Knochen oder gar Organen. Mit Hilfe von körpereigenen Stammzellen und deren Züchtung konnten hier in den vergangen Jahrzehnten emense Fortschritte erzielt werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei mittlerweile auf den noch unbelasteten und sehr teilungsfreudigen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut.

Nicht nur Knochen- und Knorpelschäden häufen sich im Alter, auch Volkskrankheiten wie Diabetes und Herzleiden treten vermehrt im späteren Leben auf. Hier verspricht die Regenerative Medizin die Wiederherstellung funktionsgestörter Zellen und Gewebe.

Für die Regenerative Medizin sind ausschließlich autologe Stammzellen von Nutzen.

In der regenerativen Medizin ist die Verwendung körpereigener Zellen unumgänglich. Denn nur bei körpereigenen Zellen kann eine Abstoßungreaktion ausgeschlossen werden. Bei allogenen Stammzellen hingegen würde das eigene Imunsystem die neuen Zellen erkennen und das erneuerte Gewebe dauerhaft bekämpfen. Um diese Abstoßungsreaktion und das eigene Imunsystem dauerhaft zu unterdrücken, wäre eine lebenslange Mediaktion für den Patienten unumgänglich.

Beispiele für Anwendungsmöglichkeiten in der Regenerativen Medizin

  1. Diabetes mellitus
    Eine Studie aus den USA belegt, dass eine Therapie mit eigenen Blutstammzellen bei Diabetes mellitus helfen könnte. Eine Vielzahl der Teilnehmer dieser Untersuchung konnte nach der Stammzelltransplantation mehrere Monate oder gar Jahre auf Insulin versichten.
  2. Morbus Crohn
    Morbus Crohn gehört zur Gruppe der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die im gesamten Verdauungstrakt auftreten kann. Meist erkranken junge Erwachsene zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr sowie ältere Menschen ab einem Alter von 60 Jahren. Es ist eine familiäre Häufung zu beobachten.
    Laut einer Studie die im Januar 2015 auf dem 10. Kongress der „European Crohn’s and Colitis Organisation” in Barcelona vorgestellt wurde, litten die Patienten totz ausgereizter medikamentöser Therapie unter einer massiven Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Sie unterzogen sich zunächst einer Cyclophosphamid induzierten Stammzell Mobilisation, nach Leukapherese der CD34 postiven Stammzellen erfolgte eine immunablative Therapie mit anschließender Reinfusion der Stammzellen
    Die Ergebnisse von 40 untersuchten Patienten belegen eine signifikante, nachhaltige Verbesserung des klinischen Zustands über einen Nachbeobachtungszeitraum von 2 Jahren sowie eine stetige Zunahme der Lebensqualität der Probanden.
  3. Hörverlust im Kindesalter
    Der sogenannte sensorineurale Hörverlust wird durch eine Erkrankung des Innenohres verursacht. Meist ist er auf eine Beschädigung der winzig kleinen Haarzellen in der Schnecke des Innenohres zurückzuführen. Bei sensorineuralem Hörverlust kann das Hörvermögen nicht zurückgewonnen werden.
    Auch Kinder können betroffen sein: Neben der erblichen Erkrankung können z.B. Röteln in der Schwangerschaft oder ein niedriges Geburtsgewicht für die Schwerhörigkeit des Kindes verantwortlich sein. Bei Neugeborenen sind die Folgen besonders gravierend: In den ersten 18 Monaten lernen die Kinder sprechen. Bei Schwerhörigkeit ist diese Fähigkeit aber massiv eingeschränkt, eine normale Sprachentwicklung ist unmöglich.
    Tierexperimentell konnte schon gezeigt werden, dass sich Stammzellen im Innenohr einnisten und dort fehlende Haarzellen nachbilden können. Es gibt auch bereits zwei klinische Studien unter Verwendung autologer Nabelschnurblut-Stammzellen: Im Children’s Memorial Hermann Hospital in Houston (Texas) werden betroffene Kinder im Alter zwischen 6 Wochen und 18 Monaten, im Florida Hospital in Orlando (Florida) im Alter zwischen 6 Wochen und 6 Jahren im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien mit ihren eigenen Nabelschnurblut-Stammzellen behandelt. Die Studien, die voraussichtlich Anfang 2016 beendet sind, untersuchen neben der Sicherheit der Therapie auch, ob die Stammzellgaben die Funktion des Innenohres und das Hörvermögen sowie die Sprachentwicklung verbessern.
  4. Schlaganfall
    Ein Schlaganfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland und ist die dritthäufigste Todesursache. Etwa zwei Drittel aller Patienten, die einen Schlaganfall überleben, haben danach körperliche Einschränkungen.
    Eine prospektive, nicht randomisierte, offene Phase-I-Studie zur Stammzelleninfusion nach einem Schlaganfall konnte bereits zeigen, dass sich die Hirnfunktionen von Betroffenen nach der Gabe von CD34+-Zellen verbessern.
    Bislang werden hierfür Stammzellen aus dem Knochenmark verwendet. Die Stammzellen wandern offenbar ins Hirn und regen dort eine Regeneration bzw. ein Überleben der geschädigten Zellen an. Ein klinischer Einsatz von autologen Nabelschnurblutstammzellen unter den Betroffenen ist bisher nicht möglich, da erst seit ca. 10 Jahren autologe Stammzellen eingelagert werden und es daher keine entsprechenden Stammzellpräparate für erwachsene Menschen gibt.
  5. Multiple Sklerose
    Multiple Sklerose ist eine chronische-entzündliche Erkrankung, bei der die Markscheiden im zentralen Nervensystem angegriffen sind. Die ersten Anzeichen treten meist zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr.

    im Rahmen des ersten Schubes auf. Es kann u.a. zu Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen, Muskelkrämpfen, Muskeltonuserhöhungen, Lähmungen, Schluck- und Sprachstörungen sowie zu Beeinträchtigung der Blasen- und Darmfunktion kommen. Die Krankheit ist bislang nicht heilbar.
    Am „Tisch Center für Multiple Sklerose Forschung“ in New York wurde eine von der FDA genehmigte Phase I Studie an 20 von der Erkrankung betroffenen Patienten durchgeführt. Diesen werden innerhalb von 3 Monaten dreimal Stammzellen aus ihrem eigenen Knochenmark entnommen und intrathekal in die Rückenmarksflüssigkeit injiziert. Trotz der kurzen Nachbeobachtungszeit zeigten zwei Drittel eine erhebliche Zunahme ihrer Lebensqualität.

    Menschen, die an Multipler Sklerose erkranken und die ein Depot aus ihren Nabelschnurblut- Stammzellen haben, werden in Zukunft darauf zurückgreifen können und brauchen sich für diese vielversprechende Therapieoption nicht einer schmerzhaften Knochenmarkentnahme
    zu unterziehen.

Fazit

Die Regenerative Medizin ist ein großer Hoffnungsträger mit einer starken Forschungsdynamik. Besonders im Hinblick auf  Volkskrankheiten wie Diabetes, Herzinfarkte und andere erkrankte Organe sind die Forschungsansätze vielversprechend. Eine Aufbewahrung der autologen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ist hier besonders wichtig, da bei regenerativen Therapieformen ausschließlich körpereigene Stammzellen eingesetzt werden können.